Archiv des Autors: Olaf Paproth

Ärger um Dämmstoffmüll

Architekturkritik einmal anders:

Ein Kommentar zum, durchaus als beispielhaft anzusehenden, Artikel der Internetseite der Interessengemeinschaft Bauernhaus IgB zum Thema Polystyrol-Dämmung:

igb-aerger-um-daemmstoff-muell-161110

Da wird u.a. gefragt wer denn die Folgekosten, die Entsorgungskosten zu tragen hat. Nun, wer hat denn das Polystyrol gekauft? Wer hat sich nicht schlau gemacht – liebe Architekten, liebe Handwerker, liebe Bauherren? Liebe Käufer von derart falsch gedämmten Häusern, bedenkt beim Kaufpreis eben diese (und andere ähnliche) Folgekosten, denn sonst seid Ihr die Dummen, die die Zeche bezahlen. Keiner wurde gezwungen Polystyrol oder andere Nichtnaturbaustoffe zu kaufen. „Der Verbraucher ist immer der Dumme“ – hm, wieso eigentlich? Anbieten kann doch jeder was er will, darum müssen wir doch nicht alles kaufen. Oder wie war das mit dem mündigen Bürger? …

Kleine Anmerkung: Aus meinen Baustellen hat es noch nie Polystyrol und auch keine Ortschäume welcher Art auch immer gegeben. Es war nie nötig.

 

Naturfaser-Dämmstoffe bestehen Dauertest

Es ist schön, dass jetzt auch eine Handwerkskammer weiß, was seit den 90ern bekannt ist. Trotz allem Zynismus, es ist ein gutes Projekt, dessen Ergebnisse hier veröffentlicht werden. Ich erlaube mir zu zitieren (Quelle: www.springerprofessional.de):

„Im 2004 gegründeten Demonstrationszentrum „Bau und Energie“ am Handwerkskammer Bildungszentrum Münster wurden natürliche Dämmstoffe verbaut. Nach elf Jahren untersuchte man deren Wärmeleitfähigkeit und Feuchtegehalt.

Heraus kam dabei, dass Dämmstoffe aus nachwachsende Rohstoffen auch nach mehr als zehn Jahren nicht ihre Gebrauchstauglichkeit verlieren. Verbaut sind in dem Demonstrationszentrum unter anderem Dämmstoffe aus Flachs, Hanf, Zellulose, Holzspäne und Holzfaserdämmplatten. Diese wurden mit Messfühlern versehen. Die Ergebnisse zeigen folgendes:

  • Weder die Dämmstoffe noch die Unterkonstruktionen haben sich verändert – lediglich bei den Holzspänen war eine Sackung festzustellen.
  • Die Laboruntersuchungen ergaben keinen signifikanten mikrobiellen Befall.
  • Aus den Messwerten war nicht ersichtlich, dass sich die Dämmeigenschaften der eingesetzten Materialien signifikant verschlechtert haben.

…“

mle-161004-07-70-800Hanfdämmung in denkmalgeschützem Haus eingebaut durch den Sachverständigen im Rahmen der Eigenleistungsbetreuung

Fachwerkfassade – Kalkulation und Coaching

AQI-A Kelzenbergerstraße Jüchen 160722 (12) 800Das Fachwerkhaus wurde vor ca. 20-25 Jahren saniert. Die Gefache sind mit Lehm ausgefacht, der Außenputz ist ein Kalkputz mit Tierhaarzusatz. Inzwischen ist der Putz einer Reihe der Gefache lose, so dass er erneuert werden muss. Das ist soweit kein Mangel der Arbeiten damals, sondern üblichen im Rahmen der Instandhaltungsmaßnahmen eines Fachwerkhauses.

Meine Aufgabe war es festzustellen was zu tun ist, soweit dies ohne Gerüststellung und ohne zerstörende Maßnahmen möglich war. Dann habe ich die Kosten kalkuiert mit Arbeitszeiten und Materialkosten, so dass ein Angebot durch einen Handwerker erstellt werden konnte. Der Auftrag an mich kam durch einen Baustoffhändler, der für den Handwerkskunden eine Lösung gesucht hat. Im Auftragsfall werde ich den Handwerksbetrieb fachlich coachen, da dieser noch keine Erfahrung mit dem Fachwerk- und Lehmbau hat.

 

Einfach und praktisch zum Spritzen von Lehmputz

Vor gut zwei Jahren stieß mich ein Kunde während einer technischen Beratung zur Fachwerkausfachung auf ein kostengünstiges, einfaches und praktisches „Low-Tech-Gerät“ zum spritzen von Lehmputz. Er hatte es in den USA gesehen, wo es für viele Arten von Mörtel eingesetzt wird.

Meurer 160521 (4) 800   Meurer Putzhilfe 16052 (11) 800
Meurer Putzhilfe 16052 (13) 800   Meurer Putzhilfe 16052 (9) 800

Anstatt teure, aufwendige Putzmaschinen ist nur ein Kompressor und eben dieses „Dings“ nötig. Der Lehmmörtel wir z.B. mit einem Freifallmischer angemischt und aus dem Kübel oder besser der Schubkarre (man muss sich nicht so bücken) aufgenommen. Aus dem Trichter wird der Mörtel mittels Druckluft an die Wand gesprüht. Insgesamt ist das „Dings“ sicher nicht so perfekt wie die üblichen Putzmaschinen, doch kosten die auch fünfstellige Summen. Anders das Druckluftsprühsystem für nur wenige Hundert Euro. Es ist so einfach aufgebaut, dass es sich gut für den Verleih eignet und auch für den Selbstbau taugt.

Zu beziehen ist es inzwischen bei Meurer Natürliches Bauen GmbH im Koblenz.

 

Bauwerksabdichtung – mit Lehm-, Tonmischungen

Es mag befremdlich ausschauen: wie soll man eine Gebäudeabdichtung mit einer losen Schüttung, die fast wie Füllkies aussieht, dauerhaft wasserdicht herstellen? Das geht doch nur mit Schwarzabdichtungen, zementösen Schlämmen oder Kunststoffen.

Tonminerale machen es möglich. Bentonite haben sich unvergleichbar länger als alle Teer-, Bitumen- oder Kunststofabdichtungen bewährt. Hier gilt wiedereinmal, dass das vermeintlich Altbewährte in Wahrheit jünger und unausgereifter als das exotische Neue ist. Während frühere Lehmpackungen rissanfällig sind, sind moderne Tonmischungen rissfrei, wurzelfest und dicht bis zu 10 m Wassersäule. Doch wer setzt sein Haus schon in 10 m tiefes Grundwasser?

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Warum ist das interessant? Zum einen schauen Sie sich die Bilder an und überlegen sich wie Sie dort eine Schwarzabdichtung anbringen würden. Gleiches gilt auch, natürlich nicht ganz so krass, für unverputztes Kellermauerwerk, z.B. aus alten Ziegeln.

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Ein zweiter interessanter Aspekt ist die Kostensituation. Eine Vertikalabdichtung mit Dernoton (c) ist in der Regel 30 – 50 % günstiger als andere Verfahren. Hinzu kommt, dass sie zu jeder Jahreszeit ausgeführt werden können.

PAT Ansicht2005 hatte ich das erste Haus mit Dernoton (c) abgedichte. Ich war (und bin) von dem Material überzeugt und meine Ausschreibung hatte einen deutliche Vorteil gegenüber dem Vergleich mit einer Schwarzabdichtung gezeigt. Eine Langzeitmessung des Trocknungsverlaufes, die ich durchgeführt hatte, hatte die Dichtigkeit des Verfahren nachgewiesen.

Allerdings gab es dennoch ein Problem mit dem Bauherren. Er hatte erwartet, dass das alte Ziegelmauerwerk des Jahrhundertwendehauses kurzfristig trocknet, wo es jetzt ja abgedichtet war. Ein berechtigter Wunsch, aber leider unrealistisch – bei allen Abdichtungsverfahren. Dass eine über Jahre durchfeuchtete Kellerwand aus Ziegelstein mindestans ein Jahr zur Trocknung benötigen würde, konnte nicht eingesehen werden. Der Keller wurde nur durch eine kleine Kellerluke belüftet, nur im Sommer(!) . Wie soll eine nasse Wand, die einseitig wasserdicht ist, also nur einseitig austrocknen kann, in einen unbelüfteten Kellerraum mit hoher Luftfeuchtigkeit in wenigen Wochen austrocknen, wenn im Sommer auch noch Kondensationsfeuchte hinzukommt? Leider hatte der hinzuggezogene „Sachverständige“ offensichtlich keine Ahnung von Bauphysik und hielt es nicht für nötig mit dem eingesetzten Material auseinanderzusetzen. – Ein weiterer Grund warum ich mich auf machte und zum verbandsgeprüften Sachverständigen wurde. – Heute, 12 Jahre später, ist Dernoton bestens und unanfechtbar bewährt. Die Referenzliste ist lang.

Bei Interesse oder Fragen wenden sie sich gerne an mich.

(Bildquelle Fotos 1 – 3, www-dernoton.de)

 

Wertgutachten eines Fachwerkhauses

Für den Verkauf eines Fachwerk-Einfamilienhauses sollte ein angemessener Preis gefunden und sachlich nachgewiesen werden. Eine Aufgabe für den Sachverständigen. Da er nicht von dem Verkauf profitiert, hat er kein Interesse einen zu hohen oder auch einen zu niedrigen Preis festzustellen.

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Bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern ist der besondere Charakter des Hauses mit sachlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel die Geschosshöhe, mit in Betracht zu ziehen. Auch die Bewertung der Bausubstanz verlangt spezielles Wissen über Holz und Lehm.

Das Haus ist derzeit zu verkaufen.

 

Marode Fußpfette

Das alte Dach wurde abgedeckt. Die historische Hohlpfannen sollen wiederverwendet werden. Auf die Sparren werden anstatt einer Kunststoff-Unterspannfolie Holzfaserplatten eingebaut. Die Erschütterungen bei den Bauarbeiten haben die oberen zwei Steinreihen gelöst. Als sie entfernt sind kommt zu Tage, was bis dahin nicht zu sehen war:

MLE 160331 handy (6) 800

Jetzt muss die Fußpfette ausgewechselt werden ohne das neu gedeckte Dach abzubauen. D.h. die Sparren werden unterstützt, um dann die marode Fußpfette aus- und eine neue wieder einzubauen.

Information vom Bauherren aus Norden: „Der Zimmermann murmelte nur „gut das der *) das noch gesehen hat“.“

*) = der Paproth