Ruhe in Frieden

Künstliche Intelligenz, autonome Autos, Schiffe, Flugzeuge … smarte Häuser, Armbanduhren, die einem sagen, wann man Liegestütz zu machen hat … sieben Tage in der Woche einkaufen …

Die Baubiologie hat noch immer einen Menschenbild vor sich, das all dies nicht benötigt, sondern bemüht ist, selbst verantwortliches, sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. „Sinnerfüllt“ bedeutet erlebnisreich für die Sinne, sich zu bemühen selbst fähig zu sein und selbst mit allen Sinnen „analog“ zu erleben. Multitasking der Sinne ist in der Evolution überlebenswichtig. Sinne wollen trainiert werden ebenso wie Muskeln oder Gehirne. Sie sind die Basis für soziales Verhalten. Der moderne Mensch befindet wieviel Stunden pro Tag in Gebäuden?

In den 1980ern hieß es „Jute statt Plastik“, heute „Laminat statt Holz“. Damals wurde der Unterschied sehr wohl klar wahrgenommen, heute ist das nicht mehr so – ja tatsächlich, ich habe es oft genug ausprobiert.

Wo bleibt der Respekt vor den eigenen Fähigkeiten? Wie kann ich dann respektvoll meiner Umwelt und meinen Mitmenschen gegenüber sein?

Dies hier zu schreiben ist eines, es zu lesen auch, Zuhörern mit Herzblut vortragen, Widerspruch ernten und engagiert diskutieren ist ein anderes. Wo ist das Leben?

Ein Film von Roman von Dall’Armi und Richard Zaiser

Andere mögen einwenden, dass es derzeit eine Evolution des Menschen gibt, in einem noch nie da gewesenen Tempo. Das Individuum wird Teil eines Schwarmes und versinkt in Bedeutungslosigkeit. Der Mensch digitalisiert, verliert Fähigkeiten, vernetzt immer mehr mit Maschinen und kann dennoch in materiellen Wohlstand leben – bei immer größerer Vereinzelung, immer weniger Sozialkompetenz, einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich und immer abhängiger von Maschinen.

„Smart home“ = „Agiles, elegantes, schlaues, kluges Heim“? Mit Klugheit oder Intelligenz hat moderne Haustechnik nichts zu tun. Allerdings kostet sie den Bauherren inzwischen mehr als ein Drittel der Gesamtkosten eines Hauses. Ihre Haltbarkeit liegt bei 10 – 15 Jahren. Wenn das Haus also weiterhin kostengünstig bleiben soll muss an der eigentlichen Konstruktion gespart werden und an der sorgfälltigen Gestaltung, an einem guten Entwurf.

Ich bin tatsächlich noch in der Lage ein Fenster zu öffnen – und auch zu schließen – oder einen altertümlichen Lichtschalter zu bedienen. Ich kann auch noch die Kofferraumklappe meines Autos mit der Hand auf und zu machen. Dazu benötige ich keine „Alexa“, „Siri“ oder wie die alle heißen. Tatsächlich intelligent ist „Low-Tech“, sind Häuser, die so clever geplant sind, dass sie ohne technische Zusatzgeräte bestes Wohlfühlklima anbieten. In der Architektur dient Technik nur dazu Mängel des Entwurfes auszugleichen. Wenn Haustechnik jedoch zum Selbstzweck wird … ok, nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und schauen Sie sich den Kurzfilm an, besser kann ich es nicht sagen. Sie hören kluge Worte u.a. von einem sehr geschätzten Kollegen.