Archiv der Kategorie: Architekturkritik

Muss das so sein? Ist das schön?

Erst wollte ich diesen Beitrag „Von der Rücksichtslosigkeit der Banalität nennen“. Mit Architektur hat der Neubau auf dem Verkaufsplakat jedenfalls nichts zu tun. Er ignoriert nicht nur das historische Bruchsteinhaus in seiner regionaltypischen Art, sondern bedrängt auch das rechts (nicht im Bild) befindliche Wohnhaus. Weil das noch nicht genug Ignoranz ist, fällt der gesichts- und charakterlose Bau – so etwas wird ja jetzt überall gebaut – auch noch im Ortsbild des Dorfes aus dem Rahmen. Interessant auch die Lichtarchitektur-Elemente an den Fassaden, die nachts die Nachbarn beleuchten. Es soll sich wohl um gehobenes Wohnen handeln, was dort geplant ist. Das lassen die Autos im hübsch gepflasterten Vorgarten vermuten.

 

Hm, es ist ja schon entlarfend genug, dass man auf eine solche Idee kommt. Aber warum wird das von Seiten der Bauordnung genehmigt? Mit Ordnung hat das nichts zu tun, mit Siedlungsplanung auch nicht. Wenn es wenigstens ein tatsächlich zukunftsweisendes Solarhaus wäre…

 

Was soll man dazu sagen?

An Rand des Naturschutzgebietes, das vorletzte Grundstück der Straße, unverbaubarer Blick in die Wiesen und das angrenzende Naturschutzgebiet …

… ein moderner Neubau im „Bauhaus-Stil“ mit großzügigem, zeitgemäß gestaltetem Vorgarten:

Das arme Bauhaus.

 

Fridays for Future

Es sollen rund 20.000 gewesen sein, heute in Aachen. Es war eine klasse Demo! Die Redebeiträge waren weiß Gott nicht dumm. „Die Alten haben es verbockt. Wir müssen es ausbaden.“ – Ja, dann stehst Du da mit Deinen 60 Jahren. Da, wo Du vor 35 Jahren als Aachener Architekturstudent auf den Demos gegen Aufrüstung, gegen Bildungsabbau, für Klimaschutz eingetreten bist und bei manch einer mitorganisert hast, im Asta gesessen hast, durchs Diplom gefallen bist, weil Deine Arbeit zu konsequent „öko“ war. Du bist Dir treu geblieben als Öko-Architekt, nicht zum wohle Deiner Brieftasche. Heute bist Du beim gemeinnützigen Verein altbau plus mit Initialberatung zur Energieeffizienz beschäftig – „Initialberatung“ nach 35 Jahren… Heute stehen sie wieder da, die Deine Enkel sein könnten, und müssen immer noch das gleiche fordern …

Und jetzt reden wir über Ihr Haus.

(Man sagte mir, es sei geschäftsschädigend, was ich hier geschrieben habe. Das solle ich mir lieber gut überlegen…)

Für eine andere Architektur

Wenn die Städte ein Problem mit der Luftqualität haben, haben sie wohl recht. Doch es sind nicht die Diesel-PKW die Ursache. Es ist die Stadtarchitektur. 1981 wurde dieses Buch geschrieben.

Ein weiteres, herausgegeben vom Umweltbundesamt (!) 1982:

Es waren nicht die ersten und nicht die letzten ihrer Art, in jedem fall sehr lesenswert – heute.

Was hat Stadtarchitektur z.B. mit Pendlern zu tun und dem Einfamilienhaus am Stadtrand? Die dicke Luft machen nicht die Autos. Es sind die Ursachen, warum sie benutzt werden.

 

Urbaner mehrgeschossiger Wohnbau in Holz wirtschaftlich wettbewerbsfähig

Über die architektonische Qualität des hier dargestellten Städtebaus möchte ich an dieser Stelle einmal schweigen. Dazu habe ich mich breits geäußert. Lesen Sie dazu auch diesen Artikel der NZZ.

Hier geht es um den dringenden Ersatz von Beton & Co. (Warum?)  Im Einfamilienhausbau es schon lange der Fall, dass die vielen, guten Varianten des Holzbaus wirtschaftlich mehr als wettbewerbsfähig sind. Bereits 1993 habe ich mein erstes Holz-Lehm-Haus geplant und bei der Eigenleistung des Bauherren mitgewirkt. Das Titelbild der Lehmbau FAQs zeigt einen ersten Eindruck der Konstruktion. Das konsequent ökologische und rollstuhlgerechte Haus war damals nicht teuerer als ein gleichwertiges konventionelles.

Aus dem Artikel:

„Zahl zum Thema: 13,7% betrug 2016 bei neu gebauten Einfamilienhäusern in der Schweiz der Materialanteil des Holzes in der Tragkonstruktion im Schnitt. Die beiden Spitzenplätze belegten Beton mit über 50% und Backstein mit gut 30%. Bei An- und Umbauten hat der Holzbau mit 32% Backsteinbauten bereits überholt. Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern erreichte Holz einen Anteil von 7%“

P.S.: Das Ganze macht natürlich wenig Sinn, wenn eine gute Holzkonstruktion anschließend dick mit Polystyrol „eingepackt“ wird, so wie beim Brüggener Hausarztzentrum geschehen. Es ist eine vorbildliche Massivholz-Konstruktion. Doch leider bemerkt man nichts von den guten Innenraumklimaeigenschaften des Holzbaus…

 

Was Architektur mit Schmetterlingen zu tun hat

Die Landwirtschaft ist schuld daran, dass es immer weniger Insekten gibt – Falsch!

Gerade eben habe ich mich in meinem Garten an einem Kohlweißling, einen Admiral und diesen Schwalbenschwanz freuen können. In einem Garten in Aachen-Haaren freuen sich die Bewohner auf die Äpfel und Blaubeeren. Die Himbeeren sind bereits gegessen.

  

 

Weiteres zum Thema:

Das Problem mit der Hitze hat Freiburg genauso wie New York.
Klimaforscher warnen schon seit langem: Unsere Städte heizen sich auf. Doch Stadtplaner wissen immer noch nicht so recht, was sie dagegen tun sollen. (FAZ)

Gründach noch immer exotisch.
So sehen sie aus, die meisten Flachdächer. Fragt sich warum? Sie sind häßlich und wenig intelligent.

Grüne Fassaden helfen doppelt
Städte sind meist von Beton und Stein dominiert. Bis auf Parks, Straßenbäume und Balkone gibt es oft nur wenig Grün. Doch das ließe sich durch vermehrte Begrünung von Hausfassaden ändern – zum großen Vorteil von Natur und Stadtbewohnern gleichermaßen. Denn wie eine Studie nun bestätigt, wirken begrünte Fassaden nicht nur wie eine natürliche Klimaanlage, sie filtern auch messbare Mengen von Schadstoffen wie Stickoxiden und Feinstaub aus der Luft. (wissenschaft.de)