Archiv der Kategorie: Architekturkritik

1980, 1982, …

Es komme bitte keiner, der meint
klimaneutrales, energiesparendes, CO2-sparendes,
gesundes, nachhaltiges Planen
in Hohbau, Städtebau und Landplanung
sei in irgendweiner Weise neu.

Fridays for Future

Es sollen rund 20.000 gewesen sein, heute in Aachen. Es war eine klasse Demo! Die Redebeiträge waren weiß Gott nicht dumm. „Die Alten haben es verbockt. Wir müssen es ausbaden.“ – Ja, dann stehst Du da mit Deinen 60 Jahren. Da, wo Du vor 35 Jahren als Aachener Architekturstudent auf den Demos gegen Aufrüstung, gegen Bildungsabbau, für Klimaschutz eingetreten bist und bei manch einer mitorganisert hast, im Asta gesessen hast, durchs Diplom gefallen bist, weil Deine Arbeit zu konsequent „öko“ war. Du bist Dir treu geblieben als Öko-Architekt, nicht zum wohle Deiner Brieftasche. Heute bist Du beim gemeinnützigen Verein altbau plus mit Initialberatung zur Energieeffizienz beschäftig – „Initialberatung“ nach 35 Jahren… Heute stehen sie wieder da, die Deine Enkel sein könnten, und müssen immer noch das gleiche fordern. – Diese „Kinder“ haben es drauf. Das macht Hoffnung!

Und jetzt reden wir über Ihr Haus.

(Man sagte mir, es sei geschäftsschädigend, was ich hier geschrieben habe. Das solle ich mir lieber gut überlegen…)

 

Für eine andere Architektur

Wenn die Städte ein Problem mit der Luftqualität haben, haben sie wohl recht. Doch es sind nicht die Diesel-PKW die Ursache. Es ist die Stadtarchitektur. 1981 wurde dieses Buch geschrieben.

Ein weiteres, herausgegeben vom Umweltbundesamt (!) 1982:

Es waren nicht die ersten und nicht die letzten ihrer Art, in jedem fall sehr lesenswert – heute.

Was hat Stadtarchitektur z.B. mit Pendlern zu tun und dem Einfamilienhaus am Stadtrand? Die dicke Luft machen nicht die Autos. Es sind die Ursachen, warum sie benutzt werden.

 

Urbaner mehrgeschossiger Wohnbau in Holz wirtschaftlich wettbewerbsfähig

Über die architektonische Qualität des hier dargestellten Städtebaus möchte ich an dieser Stelle einmal schweigen. Dazu habe ich mich breits geäußert. Lesen Sie dazu auch diesen Artikel der NZZ.

Hier geht es um den dringenden Ersatz von Beton & Co. (Warum?)  Im Einfamilienhausbau es schon lange der Fall, dass die vielen, guten Varianten des Holzbaus wirtschaftlich mehr als wettbewerbsfähig sind. Bereits 1993 habe ich mein erstes Holz-Lehm-Haus geplant und bei der Eigenleistung des Bauherren mitgewirkt. Das Titelbild der Lehmbau FAQs zeigt einen ersten Eindruck der Konstruktion. Das konsequent ökologische und rollstuhlgerechte Haus war damals nicht teuerer als ein gleichwertiges konventionelles.

Aus dem Artikel:

„Zahl zum Thema: 13,7% betrug 2016 bei neu gebauten Einfamilienhäusern in der Schweiz der Materialanteil des Holzes in der Tragkonstruktion im Schnitt. Die beiden Spitzenplätze belegten Beton mit über 50% und Backstein mit gut 30%. Bei An- und Umbauten hat der Holzbau mit 32% Backsteinbauten bereits überholt. Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern erreichte Holz einen Anteil von 7%“

P.S.: Das Ganze macht natürlich wenig Sinn, wenn eine gute Holzkonstruktion anschließend dick mit Polystyrol „eingepackt“ wird, so wie beim Brüggener Hausarztzentrum geschehen. Es ist eine vorbildliche Massivholz-Konstruktion. Doch leider bemerkt man nichts von den guten Innenraumklimaeigenschaften des Holzbaus…

 

Was Architektur mit Schmetterlingen zu tun hat

Die Landwirtschaft ist schuld daran, dass es immer weniger Insekten gibt – Falsch!

Gerade eben habe ich mich in meinem Garten an einem Kohlweißling, einen Admiral und diesen Schwalbenschwanz freuen können. In einem Garten in Aachen-Haaren freuen sich die Bewohner auf die Äpfel und Blaubeeren. Die Himbeeren sind bereits gegessen.

  

 

Weiteres zum Thema:

Das Problem mit der Hitze hat Freiburg genauso wie New York.
Klimaforscher warnen schon seit langem: Unsere Städte heizen sich auf. Doch Stadtplaner wissen immer noch nicht so recht, was sie dagegen tun sollen. (FAZ)

Gründach noch immer exotisch.
So sehen sie aus, die meisten Flachdächer. Fragt sich warum? Sie sind häßlich und wenig intelligent.

Grüne Fassaden helfen doppelt
Städte sind meist von Beton und Stein dominiert. Bis auf Parks, Straßenbäume und Balkone gibt es oft nur wenig Grün. Doch das ließe sich durch vermehrte Begrünung von Hausfassaden ändern – zum großen Vorteil von Natur und Stadtbewohnern gleichermaßen. Denn wie eine Studie nun bestätigt, wirken begrünte Fassaden nicht nur wie eine natürliche Klimaanlage, sie filtern auch messbare Mengen von Schadstoffen wie Stickoxiden und Feinstaub aus der Luft. (wissenschaft.de)

 

Ruhe in Frieden

Künstliche Intelligenz, autonome Autos, Schiffe, Flugzeuge … smarte Häuser, Armbanduhren, die einem sagen, wann man Liegestütz zu machen hat … sieben Tage in der Woche einkaufen …

Die Baubiologie hat noch immer einen Menschenbild vor sich, das all dies nicht benötigt, sondern bemüht ist, selbst verantwortliches, sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. „Sinnerfüllt“ bedeutet erlebnisreich für die Sinne, sich zu bemühen selbst fähig zu sein und selbst mit allen Sinnen „analog“ zu erleben. Multitasking der Sinne ist in der Evolution überlebenswichtig. Sinne wollen trainiert werden ebenso wie Muskeln oder Gehirne. Sie sind die Basis für soziales Verhalten. Der moderne Mensch befindet wieviel Stunden pro Tag in Gebäuden?

In den 1980ern hieß es „Jute statt Plastik“, heute „Laminat statt Holz“. Damals wurde der Unterschied sehr wohl klar wahrgenommen, heute ist das nicht mehr so – ja tatsächlich, ich habe es oft genug ausprobiert.

Wo bleibt der Respekt vor den eigenen Fähigkeiten? Wie kann ich dann respektvoll meiner Umwelt und meinen Mitmenschen gegenüber sein?

Dies hier zu schreiben ist eines, es zu lesen auch, Zuhörern mit Herzblut vortragen, Widerspruch ernten und engagiert diskutieren ist ein anderes. Wo ist das Leben?

Ein Film von Roman von Dall’Armi und Richard Zaiser

Andere mögen einwenden, dass es derzeit eine Evolution des Menschen gibt, in einem noch nie da gewesenen Tempo. Das Individuum wird Teil eines Schwarmes und versinkt in Bedeutungslosigkeit. Der Mensch digitalisiert, verliert Fähigkeiten, vernetzt immer mehr mit Maschinen und kann dennoch in materiellen Wohlstand leben – bei immer größerer Vereinzelung, immer weniger Sozialkompetenz, einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich und immer abhängiger von Maschinen.

„Smart home“ = „Agiles, elegantes, schlaues, kluges Heim“? Mit Klugheit oder Intelligenz hat moderne Haustechnik nichts zu tun. Allerdings kostet sie den Bauherren inzwischen mehr als ein Drittel der Gesamtkosten eines Hauses. Ihre Haltbarkeit liegt bei 10 – 15 Jahren. Wenn das Haus also weiterhin kostengünstig bleiben soll muss an der eigentlichen Konstruktion gespart werden und an der sorgfälltigen Gestaltung, an einem guten Entwurf.

Ich bin tatsächlich noch in der Lage ein Fenster zu öffnen – und auch zu schließen – oder einen altertümlichen Lichtschalter zu bedienen. Ich kann auch noch die Kofferraumklappe meines Autos mit der Hand auf und zu machen. Dazu benötige ich keine „Alexa“, „Siri“ oder wie die alle heißen. Tatsächlich intelligent ist „Low-Tech“, sind Häuser, die so clever geplant sind, dass sie ohne technische Zusatzgeräte bestes Wohlfühlklima anbieten. In der Architektur dient Technik nur dazu Mängel des Entwurfes auszugleichen. Wenn Haustechnik jedoch zum Selbstzweck wird … ok, nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und schauen Sie sich den Kurzfilm an, besser kann ich es nicht sagen. Sie hören kluge Worte u.a. von einem sehr geschätzten Kollegen.

 

Nicht alles in diesem Artikell entspricht meiner Meinung

Ein Lösungsansatz wäre: eine Städteplanung, die mehr ist als das Ausweisen von Lagerplätzen für Häuser. Guter Städtebau ermöglicht verdichtetes, und damit auch energie- und kostensparendes Bauen. Das schafft er, in dem er eine gute Zonierung öffentlicher, halböffentlicher und privater Räume – nicht Freiflächen – gestaltet und in dem er Solarhäuser möglich macht, ein zweiter Lösungsansatz:

Dieses Beispiel von Anfang der 1990er Jahre würde die Energieinsparverordnung nicht einhalten, aber dennoch CO²- und kostensparender als ein als ein heutiges Passivhaus. Baukosten damals: 360.000,- DM. Seid damals habe ich so etwas nie wieder planen können, denn weder die Grundstücke noch die Bauherren ließen sich finden.

Was die Politik tun kann? Für eine gute Städteplanung sorgen. Das fängt in den Rathäusern an.