Archiv des Autors: Olaf Paproth

NRW-Fahrschüler zeigen große Defizite – und was mit Architektur zu tun hat

„…dass es Führerscheinanwärtern oft an der bewussten Wahrnehmung des Verkehrs sowie an grundlegenden koordinativen Fähigkeiten mangelt…“ Leider muss ich das immer wieder auch in genügend anderen Lebenslagen feststellen. Ich will jetzt nicht sagen (wie sonst immer), dass hier das Üben einer zivilisierten Kampfkunst wie z.B. das Taiwan Do (c) hilft. Lieber will ich die Frage stellen, Wer „den Kindern“ eigentlich Was beibringt? Sind/ist das nicht die Eltern/Elterngeneration? Fördern ohne Fordern klappte offensichtlich nicht, wenn man den Text liest.

Quelle: Aktuelle Stunde | 15.05.2018 | 03:05 Min. | Verfügbar bis 15.05.2019 | WDR

Was das jetzt mit „Ökoarchitektur“ zu tun hat? Man kann es so audrücken: …dass es an der bewussten Wahrnehmung der Umwelt sowie an grundsätzlichen Fähigkeiten vernetztem Denkens mangelt… Autofahren ist eine kybernetische Multitaskingtätigkeit, die alle Sinne beansprucht. Eins nach dem anderen tun, reicht hier nicht. Es ist ein komplexer Vorgang, der die komplette Sensorik, das Unter- und das Oberbewusstsein bensprucht. Das will dauernd – bewusst – geübt werden. Und jetzt kommt die Architektur ins Spiel. Gute Häuser sollen alle Sinne ansprechen, damit sie, die Sinne, nicht verkümmern, sondern gefordert werden.

Zum Thema Kunststoffenster…

… ein Beitrag aus dem Netz. Es geht um einen Brandversuch, einem Vergleich zwischen Massivbau mit Betonsteinen, Kunststoffenstern und Stahlträger und einem Holzbau mit Holzfenstern und Holzbalkendecke. Bei beiden Aufbauten wurden jeweils übliche Baustoffe verwendet. Vorweg: Der Holzbau ist dem Massivbau insgesamt deutlich überlegen. Das überrascht Kenner des Holzbaus nicht wirklich, wird hier aber sehr schön dargestellt.

Besonderes Augenmerk möchte ich auf die Fenster legen. Die Kunststoffenster halten der Brandbelastung kaum Stand. Im Gegensatz dazu widerstehen die Holzfenster ungleich länger dem Feuer und verhindern so dessen Ausbreitung. Das wiederum kommt der Widerstandsfähigkeit der gesamten Konstruktion zu Gute.

Hinzu kommt der Aspekt, dass die Kunststoffe im Brandfall besonders giftige Gase freisetzen. Das können je nach Brandbedingungen und Fensterfabrikat auch Dioxine und Furane sein. Bei Holzfenstern kann das nicht entstehen.

Jetzt kann jeder darüber nachdenken, ob er ein erhöhtes Brandrisiko eingehen will, nur um die Fenster weniger pflegen zu brauchen, oder ob sie lieber auf die sichere Seite wechselt.

Gefunden habe ich den Beitrag hier: http://www.holzbauaustria.at/index.php?id=357&tx_ttnews%5Btt_news%5D=7369&cHash=bcd80ebf14c873f2572c41b281354022

 

Ruhe in Frieden

Künstliche Intelligenz, autonome Autos, Schiffe, Flugzeuge … smarte Häuser, Armbanduhren, die einem sagen, wann man Liegestütz zu machen hat … sieben Tage in der Woche einkaufen …

Die Baubiologie hat noch immer einen Menschenbild vor sich, das all dies nicht benötigt, sondern bemüht ist, selbst verantwortliches, sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. „Sinnerfüllt“ bedeutet erlebnisreich für die Sinne, sich zu bemühen selbst fähig zu sein und selbst mit allen Sinnen „analog“ zu erleben. Multitasking der Sinne ist in der Evolution überlebenswichtig. Sinne wollen trainiert werden ebenso wie Muskeln oder Gehirne. Sie sind die Basis für soziales Verhalten. Der moderne Mensch befindet wieviel Stunden pro Tag in Gebäuden?

In den 1980ern hieß es „Jute statt Plastik“, heute „Laminat statt Holz“. Damals wurde der Unterschied sehr wohl klar wahrgenommen, heute ist das nicht mehr so – ja tatsächlich, ich habe es oft genug ausprobiert.

Wo bleibt der Respekt vor den eigenen Fähigkeiten? Wie kann ich dann respektvoll meiner Umwelt und meinen Mitmenschen gegenüber sein?

Dies hier zu schreiben ist eines, es zu lesen auch, Zuhörern mit Herzblut vortragen, Widerspruch ernten und engagiert diskutieren ist ein anderes. Wo ist das Leben?

Ein Film von Roman von Dall’Armi und Richard Zaiser

Andere mögen einwenden, dass es derzeit eine Evolution des Menschen gibt, in einem noch nie da gewesenen Tempo. Das Individuum wird Teil eines Schwarmes und versinkt in Bedeutungslosigkeit. Der Mensch digitalisiert, verliert Fähigkeiten, vernetzt immer mehr mit Maschinen und kann dennoch in materiellen Wohlstand leben – bei immer größerer Vereinzelung, immer weniger Sozialkompetenz, einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich und immer abhängiger von Maschinen.

„Smart home“ = „Agiles, elegantes, schlaues, kluges Heim“? Mit Klugheit oder Intelligenz hat moderne Haustechnik nichts zu tun. Allerdings kostet sie den Bauherren inzwischen mehr als ein Drittel der Gesamtkosten eines Hauses. Ihre Haltbarkeit liegt bei 10 – 15 Jahren. Wenn das Haus also weiterhin kostengünstig bleiben soll muss an der eigentlichen Konstruktion gespart werden und an der sorgfälltigen Gestaltung, an einem guten Entwurf.

Ich bin tatsächlich noch in der Lage ein Fenster zu öffnen – und auch zu schließen – oder einen altertümlichen Lichtschalter zu bedienen. Ich kann auch noch die Kofferraumklappe meines Autos mit der Hand auf und zu machen. Dazu benötige ich keine „Alexa“, „Siri“ oder wie die alle heißen. Tatsächlich intelligent ist „Low-Tech“, sind Häuser, die so clever geplant sind, dass sie ohne technische Zusatzgeräte bestes Wohlfühlklima anbieten. In der Architektur dient Technik nur dazu Mängel des Entwurfes auszugleichen. Wenn Haustechnik jedoch zum Selbstzweck wird … ok, nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit und schauen Sie sich den Kurzfilm an, besser kann ich es nicht sagen. Sie hören kluge Worte u.a. von einem sehr geschätzten Kollegen.

 

Nicht alles in diesem Artikell entspricht meiner Meinung

Ein Lösungsansatz wäre: eine Städteplanung, die mehr ist als das Ausweisen von Lagerplätzen für Häuser. Guter Städtebau ermöglicht verdichtetes, und damit auch energie- und kostensparendes Bauen. Das schafft er, in dem er eine gute Zonierung öffentlicher, halböffentlicher und privater Räume – nicht Freiflächen – gestaltet und in dem er Solarhäuser möglich macht, ein zweiter Lösungsansatz:

Dieses Beispiel von Anfang der 1990er Jahre würde die Energieinsparverordnung nicht einhalten, aber dennoch CO²- und kostensparender als ein als ein heutiges Passivhaus. Baukosten damals: 360.000,- DM. Seid damals habe ich so etwas nie wieder planen können, denn weder die Grundstücke noch die Bauherren ließen sich finden.

Was die Politik tun kann? Für eine gute Städteplanung sorgen. Das fängt in den Rathäusern an.

Das Warichchi Haus

Traditioneller Lehmbau in Sri Lanka – Eine Feldstudie

Auch dies hat mit dem Thema Migration zu tun. Den Text und die Zeichnungen finden Sie im Download-Bereich. An dieser Stelle möchte ich die dazugehörigen Fotos zeigen.

     

     

     

  1. Zeile: Eine Gegend in der kleine Reisbauern leben ohne industrialisierte Produktion. Ein Wohnhaus in traditioneller Warichchi-Bauweise.
  2. Zeile: Neubauten in einem Gebiet staatlich geförderter Ansiedlung von Kleinbauern in traditioneller Bauweise.
  3. Zeile: Ein Gemeindehaus mit Schule, gebaut mit Lehmziegeln. Infrastruktur.

Der Plan war Menschen aus den Slums der großen Städte zurück auf´s Land zu siedeln. Für mehr wirtschaftliche Stabilität, weniger Kriminalität, bescheidene aber höhere Lebensqualität.

Die alten und auch die neuen traditionellen Häuser mögen primitiv erscheinen. Sie weisen aber ein ungleich besser Raumklima im Hinblick auf Kühle, Belüftung, Hygiene auf als Hütten aus hier teuren Betonsteinen und Wellblechdächern. Der Rohstoff Lehm ist örtlich vorhanden ebenso wie die nötigen Arbeitskräfte.

Wenn Sie wissen, dass die Menschen dort auch Handies, Internet und TV haben, also zumindest temporären Zugang zur wohlhabenden Welt, wundert Sie dann noch Migration? Paradiesisch ist es dort nur für Touristen.

 

Zum Thema Migration

Migration bekämpft man nicht mit Grenzen, sondern mit Bildung und Chancen.

Ja, auch das hat mit Architektur zu tun, mit Landplanung, mit Siedlungsplanung, mit Raum für Chancen. Gute Architektur sind nicht schicke Fassaden oder begehbare Plastiken. Architektur endet nicht an der Außenkante des Außenputz. Die soziale Frage will beantwortet werden.

„Es ist die Gemeinschaft, die den Nährboden für jegliche Milieugestaltung bildet.

  • Für die Entwicklung lebensfördernder sozialer Kontakte
  • Für die Unterstützung von Selbstorganisationen und Selbsthilfe

gilt es zu arbeiten.“

aus dem Leitsatz 7 des Baubiologischen Manifest des Bund Architektur und Umwelt

Wer sich über Mirgation wundert, sollte sich vor Ort umsehen – nicht als Pauschalreisender. Meine Eltern haben lange als „Wirtschaftsflüchtlinge“ u.a. in Lagos, Nigeria, gelebt. Ich bin nicht nur einmal auf dem Landweg dorthin gefahren. Das Bild zeigt eine Straße in einem der besseren Gegenden von Lagos.

Das Thema ist sicher nicht einfach und voller Widersprüche. Und doch, fairer Handel und Investitionen in Bildung und Fertigkeiten vor Ort sind nachhaltiger als Flüchtlingskrisenmanagement.

Ich habe auch Architektur studiert, weil die Klimaerwärmung und deren Folgen schon damals in den 1970-80er Jahren ein Thema waren – auch das der Migration. Und ich bin durch Afrika und Asien gereist.

Wir in den wohlhabendsten Ländern sollten vorbildlich sein, denn wir können es uns leisten. „Vorbildlich“ heißt „nachhaltig handeln“. Da gibt es viel zu tun in der Architektur.

Wenn Sie das auch nicht kalt lässt, tun Sie etwas. Hier: Internationaler Verband Westfälischer Kinderdörfer e.V.

 

Schlechte Architektur sind nicht immer Architekten Schuld

Es war abzusehen – vor dem Volksentscheid. Alle nötigen Informationen waren ausreichend transparent und erreichbar. Eine Mehrheit der Bürger hat für den bau des Bahnhofs gestimmt. Jetzt würde mich die Frage interessieren, ob diese auch die Mehrkosten übernehmen würden, damit das Geld nicht an anderer Stelle fehlt. Die Schuld jetzt auf die (sicherlich auch) mangelhafte Planung zu schieben, gilt hier einmal nicht. Mit einer Milliarde € könnte man Solaranlagen für rund 75 % des energiebedarfs für Warmwasser von rd. 400 – 450.000 Bürgern finanzieren. Das wären dann schon einmal etwa 2/3 der Einwohner von Stuttgart. Man könnte auch fast alle Flachdächer begrünen – oder ein zeitgemäßes öffentliches Verkehrssystem. Dann hätte Stuttgart kein Problem mehr mit Luftschadstoffen.

Man könnte aber auch einem Rentner seine nicht ausreichende Rente mit monatlich 500,- € bezuschussen – 2 Mio Monate lang.Vielleicht würde man das nicht ganz solange tun, aber dafür mehr Rentnern unter der Armutsgrenze helfen.

Man könnte Kunst und Kultur fördern, in dem man 12,5 Mio Schülern die art-card Düsseldorf sponsoren würde, damit sie ein Jahr lang umsonst in Museen gehen könnten. So viel Einwohner hat Düsseldorf gar nicht. Stuttgart auch nicht. Auch nicht zusammen.

1 Mrd € für Bildung von Kindern und Jugendlichen, um ihnen „smartsklills“ wie soziales Verhalten beizubringen – Mathe und Latein können die schon – wäre auch eine Maßnahme. Die Erwachsenen, die von Strukturwandel betroffen sind, könnte man auch weiterbilden, damit sie engagiert neue Wege entdecken. Aber dafür müsste eine bestimmte Mehrheit selber erst einmal soziales Denken lernen… Es wird nicht bei der 1 Milliarde bleiben.

Gute Architektur ist ein gelungenes Gesamtkonzept.