Archiv des Autors: Olaf Paproth

Fridays for Future

Es sollen rund 20.000 gewesen sein, heute in Aachen. Es war eine klasse Demo! Die Redebeiträge waren weiß Gott nicht dumm. „Die Alten haben es verbockt. Wir müssen es ausbaden.“ – Ja, dann stehst Du da mit Deinen 60 Jahren. Da, wo Du vor 35 Jahren als Aachener Architekturstudent auf den Demos gegen Aufrüstung, gegen Bildungsabbau, für Klimaschutz eingetreten bist und bei manch einer mitorganisert hast, im Asta gesessen hast, durchs Diplom gefallen bist, weil Deine Arbeit zu konsequent „öko“ war. Du bist Dir treu geblieben als Öko-Architekt, nicht zum wohle Deiner Brieftasche. Heute bist Du beim gemeinnützigen Verein altbau plus mit Initialberatung zur Energieeffizienz beschäftig – „Initialberatung“ nach 35 Jahren… Heute stehen sie wieder da, die Deine Enkel sein könnten, und müssen immer noch das gleiche fordern. – Diese „Kinder“ haben es drauf. Das macht Hoffnung!

Und jetzt reden wir über Ihr Haus.

(Man sagte mir, es sei geschäftsschädigend, was ich hier geschrieben habe. Das solle ich mir lieber gut überlegen…)

 

Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe

Selbst bauen mit der Hife von Familie, Freunden und Nachbarn spart Geld und kann durchaus Freude und Freunde machen. Es gibt eine Reihe guter Gründe für Eigenleistung und die Inanspruchnahme von zupackender Hilfe. Wie bei wohl allem, verbergen sich auch hier Risikien, über die man sich im Klaren sein sollte. Unfälle, die während der freundlichen Hilfe geschehen, müssen Sie als Bauherren bei der Berufgenossenschaft BG Bau versichert haben – bevor sie geschehen. Tun Sie das nicht, kann es für Sie und die geschädigte Person ernste Folgen haben. Wir möchten nichts beschreien, es ist aber einfach intelligent sich vorher schlau zu machen und zu tun, was nötig ist unter anderem hier und hier.

 

„Holz – Mensch – Raum“

Diese Metastudie der TU München in Kooperation mit proHolz Bayern, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, beleuchtet den Stand der Wissenschaft zum Thema „Gesundheitliche Interaktion von Holz – Mensch – Raum“. Der Frage wird nachgegangen in den Kapiteln

– Emissionen
– Material
– Medizin
– Wahrnehmung

Interessant ist u.a. ein Vergleich von vier Bürocontainern mit identischen Maßen aber unterschiedlichen Baumaterialien: ein Standardcontainer, ein Nachrüstcontainer (Stahlcontainer mit Lehmelementen), ein Container in Holz-Lehmbauweise, ein Massivholzcontainer. Thema des Vergleiches: Steigerung von Leistungs- und Erholungsfähigkeit.

Sie erhalten eine Broschüre und den Schlussbericht bei der TU München, Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion, Prof. Stefan Winter.

 

Umbau eines denkmalgeschützen niederrheinischen Hallenhauses

Es beginnt mit dem Aufmaß und der Bestandsaufnahme. Wir machen das von Hand, um jeden Winkel des Hauses „persönlich kennenzulernen“. Bisherige Zwischenbilanz: Das Haus muss von innen und außen ausgegraben werden und dann mit der mineralischen Abdichtung „Dernoton“ vor weiterer Durchfeuchtung geschützt zu werden. Die Fenster sollen erhalten werden. Die Außenwände werden mittels Innendämmung energetisch ertüchtigt.

  

 

Für eine andere Architektur

Wenn die Städte ein Problem mit der Luftqualität haben, haben sie wohl recht. Doch es sind nicht die Diesel-PKW die Ursache. Es ist die Stadtarchitektur. 1981 wurde dieses Buch geschrieben.

Ein weiteres, herausgegeben vom Umweltbundesamt (!) 1982:

Es waren nicht die ersten und nicht die letzten ihrer Art, in jedem fall sehr lesenswert – heute.

Was hat Stadtarchitektur z.B. mit Pendlern zu tun und dem Einfamilienhaus am Stadtrand? Die dicke Luft machen nicht die Autos. Es sind die Ursachen, warum sie benutzt werden.

 

Das Seerosenzimmer in Aachen

Seerosen, ein großformatiger Linolschnitt im Buchenholzrahmen, auf fein geriebenem, zweilagigem Lehmputz, mit Silikatfarbe gestrichen. Die Decke des Raumes wurde nach dem Entfernen aller Tapeten- und Anstrichschichten mit Lehmspachtel gespachtelt und mit der Farbe der Wände gestrichen. Der Schallschutz einer der Wände wurde mittels Holzfaser- und Lehmbauplatten verbessert. Die runden „Ecken“ zwischen Decke und Wand, wie bei Jahrhundertwendehäusern häufig, wurden mit Lehmunter- und Lehmfeinputz neu geformt. Der Boden wurde vom alten Linoleum befreit, mit Lehmspachtel geglättet und mit einem geölten Korkparkett versehen.

Zu sehen ist das alles beim diesjährigen, 4., Offenen Atelier der Künstlerin Antje Seemann. Sie sind herzlich eingeladen!

  

Alle handwerklichen Arbeiten von Antje Seemann und Olaf Paproth.

Übrigens, letztes Jahr war es noch „Das Lehmzimmer“. Beim damaligen 3. Offenen Atelier der Künstlerin diente der braune, noch rohe Lehmputz als Kulisse für die Philosophen- und Naturwissenschaftlerportraits.

 

Urbaner mehrgeschossiger Wohnbau in Holz wirtschaftlich wettbewerbsfähig

Über die architektonische Qualität des hier dargestellten Städtebaus möchte ich an dieser Stelle einmal schweigen. Dazu habe ich mich breits geäußert. Lesen Sie dazu auch diesen Artikel der NZZ.

Hier geht es um den dringenden Ersatz von Beton & Co. (Warum?)  Im Einfamilienhausbau es schon lange der Fall, dass die vielen, guten Varianten des Holzbaus wirtschaftlich mehr als wettbewerbsfähig sind. Bereits 1993 habe ich mein erstes Holz-Lehm-Haus geplant und bei der Eigenleistung des Bauherren mitgewirkt. Das Titelbild der Lehmbau FAQs zeigt einen ersten Eindruck der Konstruktion. Das konsequent ökologische und rollstuhlgerechte Haus war damals nicht teuerer als ein gleichwertiges konventionelles.

Aus dem Artikel:

„Zahl zum Thema: 13,7% betrug 2016 bei neu gebauten Einfamilienhäusern in der Schweiz der Materialanteil des Holzes in der Tragkonstruktion im Schnitt. Die beiden Spitzenplätze belegten Beton mit über 50% und Backstein mit gut 30%. Bei An- und Umbauten hat der Holzbau mit 32% Backsteinbauten bereits überholt. Beim Neubau von Mehrfamilienhäusern erreichte Holz einen Anteil von 7%“

P.S.: Das Ganze macht natürlich wenig Sinn, wenn eine gute Holzkonstruktion anschließend dick mit Polystyrol „eingepackt“ wird, so wie beim Brüggener Hausarztzentrum geschehen. Es ist eine vorbildliche Massivholz-Konstruktion. Doch leider bemerkt man nichts von den guten Innenraumklimaeigenschaften des Holzbaus…